In letzter Zeit finde ich manchmal
eine gewisse Realitäts- und Weltflucht („alles Illusion“) unter
modernen Advaita-Jüngern. Auch eine gewisse Körperfeindlichkeit
(„Ich bin nicht der Körper“). Meiner Erfahrung nach geschieht
dies bei der Hinwendung des Verstandes in Richtung „Nichts“.
Der Verstand tut sich mit beiden Begriffen schwer – sowohl mit dem
„Nichts“ als auch mit der „Unendlichkeit“. Beides scheint dem
Verstand zumindest gegensätzlich. So glaubt er, in eine Richtung
gehen zu müssen. Sich Ent-Scheiden zu müssen. Und
das „Nichts“ scheint erreichbarer zu sein. Näher. Logischer.
Be-GREIF-barer. Der Verstand sucht dauerhaftes. Dauerhaftes
scheint im Nichts fundierter als in der Unendlichkeit. „Reduktion
auf Null“ als schneller einfacher Weg.
Alles und Nichts...
Nach meiner Erfahrung gibt es grundsätzlich
nur zwei Wege, in verschiedenen Varianten zwar, aber eben nur zwei
Wege. Der eine ist Minimierung, der andere Maximierung.
Der eine Reduktion auf Null, der andere Ausdehnung in allumfassende
Unendlichkeit.
Das Alles und das Nichts sind für den Meister
ein und dasselbe. Für ihn ist die Welt ein Kreis ohne Beginn
und ohne Ende. In der Welt der Polaritäten – und des Verstandes
- findet sich jedoch an einem Ende das unbegreifliche Nichts und
am anderem Ende die ebenso unbegreifliche Unendlichkeit. Dazwischen
– und nur dazwischen – existiert der unbegreifliche logische Menschenverstand,
das subjektive Ich.
Konfrontiert mit dem Absoluten wandelt sich dieser
Verstand in Verstehen. Zuvor hat er sich weder „das Nichts“
noch die Unendlichkeit vorstellen können. Beides ist dasselbe
– um es jedoch einem durch Zeit begrenzten Verstand erklären
zu können, muss man sich für eine der Polaritäten
scheinbar entscheiden. Man gibt eine Richtung vor um das Schwimmen
zwischen den Polaritäten beenden zu helfen. Beide Richtungen
führen zum selben Ziel. Doch das erkennen der absoluten Einheit
der totalen Gegensätze setzt erst danach ein. Zuvor ist es
gut, in eine dieser Richtungen zu gehen. Sei es das „Nichts“, oder
sei es das „Alles“.
Es raufen das Nichts und die Unendlichkeit
Und sind doch am Ende das Selbe. Das eine enthalten im Anderen.
Hallo DU |